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Preisatlas Handwerk 2023: Meisterstunden verteuern sich um fünf, Gesellenstunden um neun Prozent

13.04.23 | Teilen

OneQrew veröffentlicht zum zweiten Mal den Preisatlas Handwerk, der Stundesätze verschiedener Gewerke erfasst und vergleicht. Im zweiten Halbjahr 2022 ist die durchschnittliche Meisterstunde auf 64 Euro gestiegen und für eine Gesellenstunde müssen Kunden 58 Euro bezahlen.

Die Stundensätze im deutschen Handwerk sind auch in der zweiten Jahreshälfte 2022 weiter gestiegen. Anfang 2023 kostete eine Meisterstunde durchschnittlich 64 Euro und eine Gesellenstunde 58 Euro – diese und folgende Preisangaben sind als Nettopreise zu verstehen. Gegenüber der ersten Jahreshälfte 2022 ist damit eine prozentuale Steigerung von fünf, beziehungsweise neun Prozent zu verzeichnen. Die allgemeine Teuerung in diesem Zeitraum (April 2022 bis Februar 2023) lag zum Vergleich bei 5,9 Prozent.*

Diese Zahlen wurden im Rahmen des Preisatlas Handwerk ermittelt, den OneQrew aus der Befragung von 670 deutschen Handwerksbetrieben ermittelte und in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal veröffentlicht. Die Unternehmensgruppe, die aus TAIFUN, M•SOFT, PraKom, extragroup und DIGI und weiteren führenden Software-Spezialisten hervorgegangen ist, kann dafür auf Daten ihres umfangreichen Kundennetzwerks zurückgreifen.

 

Erhöhungen sind die Regel

71 Prozent der befragten Betriebe haben im Untersuchungszeitraum ihre Preise ein- oder mehrmals erhöht. Lediglich bei 29 Prozent sind die Preise stabil geblieben. Steigende Kundenpreise lassen sich unter anderem auch auf steigende Lohnkosten auf einem angespannten Arbeitsmarkt zurückführen. 70 Prozent der befragten Handwerker haben aktuell eine oder mehrere offene Stellen. Dieser Wert hat sich gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent erhöht und zeigt, dass der Fachkräftemangel weiterhin ein drängendes Problem für die Branche darstellt. Durchschnittlich fehlen 1,38 Fachkräfte pro Betrieb. Die Auftragslage bleibt im deutschen Handwerk trotz der steigenden Preise stabil. 73 Prozent der befragten Betriebe beurteilen sie als gut oder sehr gut. Lediglich sechs Prozent berichten von einer mäßigen Auftragslage und freien Kapazitäten für zusätzliche Aufträge.

Ausnahmen bilde dabei Hoch-/Tiefbau sowie Gerüstbau, in diesen beiden Gewerken geben insgesamt nur 41 Prozent der befragten Betriebe an, dass ihre Auftragslage gut oder sehr gut ist. 27 Prozent geben eine mäßige Lage an.

 

Regionale Preisunterschieden bleiben bestehen

Die Preisverteilung in der Fläche verhält sich ähnlich zum Vorjahr: Besonders hoch sind die Kosten für Meister- und Gesellenstunden in Ballungszentren und den wirtschaftsstarken alten Bundesländern. Die Spitzenposition mit für eine Meisterstunde teilen sich in diesem Jahr Hamburg und Berlin. In Hamburg ist auch die Gesellenstunde mit 63 Euro am teuersten. Die preiswertesten Handwerkerdienstleistungen können Kunden in Sachsen-Anhalt erwarten. Dort schlägt eine Meisterstunde mit 52 Euro und eine Gesellenstunde mit lediglich 43 Euro zu Buche.

Im Durchschnitt kostet eine Handwerkerstunde (Meister und Gesellen) im Osten Deutschlands 54 Euro und im Westen 64. Somit liegen die Stundensätze in den neuen Bundesländern um 15 Prozent unter denen in den alten Ländern.

 

Durchschnittliche Stundensätze verteilt nach Bundesland

 

Dachdecker und Zimmerer sind am teuersten

Bei den Kosten für Handwerker gibt es deutlich Unterschiede zwischen den einzelnen Gewerken. Am höchsten ist der Gesamtkostenschnitt mit 65 Euro bei den Dachdeckern und Zimmerleuten. Darauf folgt mit 64 Euro der Fensterbau. Ebenfalls im oberen Preissegment ist der Bereich Sanitär, Heizung, Klima mit 63 Euro. In der Elektrotechnik werden 59 Euro verlangt, was dem mittleren Preissegment entspricht. Die geringsten Stundensätze sind im Hoch- und Tiefbau zu finden, wo die Arbeitsstunde mit 53 Euro berechnet wird. Ebenfalls vergleichsweise günstige Stundensätze haben Maler/ Gipser und Stuckateure mit 54 Euro sowie Gerüstbauer mit 55 Euro.

„Ein Ende der steigenden Kosten im deutschen Handwerk ist nicht abzusehen. Dabei handelt es sich um eine logische Konsequenz des Marktes, wenn hohe Nachfrage auf ein beschränktes Angebot trifft. Blickt man auf die gefürchtete Lohn-Preis-Spirale, so machen die Handwerksbetriebe aktuell viel richtig. Der Fokus auf moderate Preisanpassungen zu Gunsten besser bezahlter Gesellenstunden schafft aktuell die richtige Balance – auch um den Einstieg in das Handwerk attraktiver zu machen, neue Fachkräfte zu gewinnen und die Konkurrenzfähigkeit der eigenen Branche zu stärken. Mit Blick auf die Zukunft sind dringend Maßnahmen gegen den Handwerkermangel notwendig. Sonst drohen nicht nur weiter steigende Preise, sondern ein immenser Auftragsstau, der Großprojekte wie die Energiewende gefährden könnte, wenn Handwerker fehlen, die Wärmepumpen installieren oder Häuser dämmen. Auf lange Sicht müssen wir mehr junge Menschen für handwerkliche Berufe begeistern. Auf kurze Sicht müssen Handwerker ihre knappen Ressourcen möglichst effizient einteilen. Dabei wollen wir ihnen mit unseren digitalen Lösungen helfen, die zeitraubende Routineaufgaben vereinfachen und betriebliche Prozesse optimieren können“ sagt Dominik Hartmann, CEO von OneQrew.

 

Methodik

Für den bundesweiten Preisatlas Handwerk hat OneQrew insgesamt 670 deutsche Handwerksbetriebe befragt, die hauptsächlich aus den Gewerken Sanitär-Heizung-Klima, Elektrotechnik, Dachdecker, Zimmerer, Tischler/Schreiner, Metall- und Gerüstbau sowie Maler/ Gipser/ Stuckateur kommen. Die Antworten wurden zwischen dem 13. Februar und dem 21. März 2023 in einer Online-Befragung ermittelt.

 

*Errechnet anhand des Verbraucherpreisindexes des statischen Bundesamtes

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